| Veranstaltung: | LDK Hameln-2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 9. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | LAG Energie & Atom (dort beschlossen am: 22.10.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 23.10.2026, 15:44 |
wA9: Erneuerbare besser nutzen, Flexibilität schaffen, Stromkosten senken, Klima schützen, Versorgung sichern
Antragstext
Niedersachsen ist das Land der Erneuerbaren, ein wichtiger Industriestandort und
zentral für die Energiewende in Deutschland.
Mit der grünen Regierungsbeteiligung und der Task Force Energiewende haben wir
in Niedersachsen den Turbo gezündet: Der jährliche Zubau an Photovoltaik wurde
von 409 Megawatt in 2020 auf 1.546 Megawatt in 2025 mehr als verdreifacht. Bei
der Windenergie wurde 2025 mit 832 Anlagen und 5,2 Gigawatt eine Rekordzahl
genehmigt. Die durchschnittliche Genehmigungsdauer wurde dabei auf 10,6 Monate
(2025) verkürzt verglichen mit 16,8 Monaten bundesweit. Dank behutsamer Planung
und der hohen Akzeptanz sank die Zahl der Klagen gegen Windräder in
Niedersachsen auf 11.
Diese großen Fortschritte für ein klimaneutrales Energiesystem mit 100 Prozent
Erneuerbaren Energien steht durch Bundesministerin Reiches Rückschritte bei der
EEG-Förderung und beim Netzpaket auf dem Spiel.
Wir Grüne wehren uns dagegen, dass:
- private Dachsolaranlagen aus der Förderung fallen sollen.
- in Regionen mit mehr als 5 % Redispatch neue Wind- und Solaranlagen nicht
mehr realisiert werden sollen, statt die Netze und Speicher endlich
auszubauen.
- klimaschädliche fossile Gaskraftwerke, Gasimporte und Gasförderung vor
Borkum und im Binnenland von der Bundesregierung massiv vorangetrieben
werden, statt endlich unsere Strom- und Wärmenetze sowie die Revolution
bei Speichern sowie flexiblen Biogasanlagen endlich zu nutzen.
Wir wollen, dass unser Land zum Vorteil der Menschen, der Wirtschaft und der
kommunalen Wertschöpfung nicht nur erneuerbaren Strom erzeugt, sondern ihn auch
optimal nutzt. Damit die Energiewende gelingt und die Potenziale erneuerbarer
Energien vollständig ausgeschöpft werden, müssen Flexibilitäten im Energiesystem
konsequent ausgebaut werden. Denn die Flexibilisierung des Energiesystems ist
der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende. Es braucht eine Flexibilitätsagenda,
um erneuerbare Energien besser zu integrieren, die Versorgungssicherheit zu
stärken und die Systemkosten zu senken. Eine Flexibilitätsagenda, die konkrete
Maßnahmen benennt, mit denen Abregelungen erneuerbarer Energien und Kosten für
Netzengpassmanagement reduziert und Netzoptimierung, Speicher und Netzausbau
besser aufeinander abgestimmt werden.
Regionale Strompreissignale können dazu beitragen, Stromangebot und -nachfrage
besser aufeinander abzustimmen. Deshalb sollten unterschiedliche Instrumente von
regionalen Gebotszonen über regionale Netzentgelte bis hin zu weiteren lokalen
Anreizen wissenschaftlich fundiert verglichen werden. Entscheidend sind ihre
Auswirkungen auf Netzengpässe, Systemkosten, Investitionen, die
Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und die Strompreise für Verbraucher*innen.
Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich unser grüner Energieminister für eine
fundierte Bewertung regionaler Strompreissignale und Gebotszonen einsetzt. Eine
transparente und europäisch abgestimmte Untersuchung ihrer Auswirkungen auf
Erzeugungsstandorte, Netzkosten, Industrie und Verbraucher*innen ist für die
Weiterentwicklung eines effizienten, klimaneutralen und wettbewerbsfähigen
Energiesystems von zentraler Bedeutung.
Wir wollen uns in Niedersachsen und auch auf Bundesebene weiter für die
Energiewende einsetzen und folgende Maßnahmen voranbringen:
- Flexibilität zum Leitprinzip der Energiepolitik: Bei allen
energiepolitischen Maßnahmen systematisch prüfen, wie sie die Flexibilität
und Intelligenz des Energiesystems stärken.
- Netzanschluss ermöglichen durch Überbauung: Die Überbauung von
Netzverknüpfungspunkten für PV, Windenergie und Speicher vorantreiben,
dass sie einen gewaltigen Schub ungenutzter Kapazitäten für den
Netzanschluss von Erneuerbaren-Kraftwerken schafft.
- Versorgungssicherheit absichern: Speicher für Erneuerbare Energien,
erneuerbare Reservekapazitäten, flexible Nachfrage und Netze
systemdienlich und intelligent anreizen, damit wir jederzeit mit günstigem
Erneuerbaren Strom versorgt sind.
- Das Prinzip “Netzoptimierung vor Flexibilität vor Verstärkung vor Ausbau”
(NOXVA-Prinzip) anwenden, um bestehende Netzkapazitäten besser zu nutzen,
den Netzausbaubedarf zu reduzieren und Kosten zu senken.
- Digitalisierung der Energienetze vorantreiben: Durch intelligente
Vernetzung und Steuerung von Erzeugern, Speichern und Verbrauchern
Flexibilitätspotenziale erschließen, bestehende Netzkapazitäten besser
nutzen und Netzengpässe sowie Abregelungen reduzieren.
- Wärmenetze als Flexibilitätsinfrastruktur stärken: Fern- und Nahwärmenetze
in Verbindung mit Wärmespeichern, Wärmepumpen, Sektorenkopplung,
Aquathermie, Elektrokesseln und Kraft-Wärme-Kopplung systemdienlich, mit
Stromnetzen koppeln und zur Integration Erneuerbaren einsetzen.
- Industrielle Flexibilität erschließen: Durch verlässliche
Rahmenbedingungen, gezielte Förderung und wirksame Preissignale
wirtschaftliche Anreize für Lastverschiebungen schaffen und so erneuerbare
Energien integrieren sowie Stromnetze entlasten.
- Beendigung des Windhundprinzips: Klare Priorisierung im Netzausbau was der
Transformation der Industrie, der Integration und Nutzung von Erneuerbaren
Energien sowie von systemdienlichen Speichern dient.
- Ausbau von systemdienlichen Netzen und Speichern beschleunigen: Gerade in
Netzengpassgebieten mit viel Erneuerbarem Strom muss der Netzausbau nicht
gestoppt, sondern im Zusammenspiel mit intelligenten Speichern
beschleunigt werden. Der Bund muss mit der Bundesnetzagentur klar
priorisieren und darf es nicht dem freien Markt bzw. den Kommunen
überlassen, welche Anträge zuerst bearbeitet werden. Das Ziel muss
Klimaneutralität, Integration EE, Resilienz und Kostensenkung sein.
- flexiblen Stromverbrauch wirtschaftlich attraktiver machen: Smart-Meter-
Rollout, wirksame dynamische Stromtarife und Netzentgelte einsetzen und
die netzdienliche Lastverschiebung belohnen.
- Nutzen statt Abregeln: Durch Anreize bei Netzentgelten und flexible
Stromtarife die Überschüsse an Erneuerbaren Strom besser nutzen oder
speichern.
- Happy-Hour für Wind- und Sonne einrichten: Mit regionale Stromtarifen und
Netzentgelten wollen wir erreichen, dass in Zeiten von negativen oder
niedrigen Börsenstrompreisen, die Menschen und Unternehmen kostengünstig
Erneuerbaren Strom zum Laden, Nutzen oder Speichern bekommen. Dies
bedeutet auch günstiges Laden von Elektroautos oder Elektrogeräten an
öffentlichen Ladesäulen etwa um die Mittagszeit bei voller
Sonneneinstrahlung.
- Elektromobilität als Speicher flexibel nutzen: Bidirektionales Laden
erleichtern. Das Hochlaufen der Elektromobiliät führt zu einer riesigen
Menge an kostengünstigen Stromspeichern für Erneuerbare Energien. Wir
wollen daher bidirektionales Laden – also das E-Auto als flexiblen,
intelligenten Stromspeicher fördern und rechtliche Hemmnisse beim
Einspeisen in öffentliche Netze beseitigen.
- Stromsteuer senken und Netzentgelte öffentlich finanzieren: Zur Entlastung
der Verbraucher*innen, von Wirtschaft und Haushalten ist die Senkung der
Stromsteuer überfällig. Sie verteuert die Nutzung von Wärme und Strom aus
Erneuerbaren Energien gegenüber fossilen Energien. Auch darf der
notwendige Ausbau der Strom- und Wärmenetze nicht allein von den
Stromkunden finanziert werden, sondern ist wie das EEG öffentliche
Daseinsvorsorge und öffentliche Infrastruktur.
- Öffentliches Kapital für erneuerbare Strom- und Wärmenetze: Der Ausbau der
Strom- und Wärmenetze erfordert gewaltige Investitionen in dreistelliger
Milliardenhöhe. Wir begrüßen das rot-grün in Niedersachsen über die N-Bank
zusammen mit der KfW Bürgschaften für öffentliche Investitionen kommunaler
Unternehmen in die Strom- und Wärmenetze absichern wird und damit massiv
in Klimaschutz und Energiewende investiert.
Begründung
Niedersachsen hat dank der grünen Regierungsbeteiligung beim Ausbau der erneuerbaren Energien wichtige Fortschritte erzielt. Jetzt muss das Energiesystem Schritt halten. Wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichend transportiert, gespeichert oder genutzt werden kann, entstehen vermeidbare Kosten und regionale Wertschöpfung bleibt ungenutzt.
Als Küsten- und Erzeugungsland mit energieintensiver Industrie hat Niedersachsen ein besonderes Interesse daran, erneuerbare Stromerzeugung, Netze, Speicher und Verbrauch besser miteinander zu verbinden. Flexibilität kann Engpässe reduzieren und die vorhandene Infrastruktur effizienter nutzen. Sie muss deshalb gleichberechtigt mit Netzausbau und gesicherter Leistung geplant werden.
Damit die Menschen und Unternehmen in Niedersachsen stärker von diesem Potenzial profitieren, müssen Erzeugung, Netze, Speicher und Stromverbrauch besser zusammenspielen. Denn erneuerbarer Strom muss nicht nur erzeugt, sondern möglichst effizient, bezahlbar und zuverlässig genutzt werden.
Mehr Flexibilität senkt Kosten und verbessert die Integration erneuerbarer Energien. Batteriespeicher, Wärmespeicher, flexible Wärmepumpen, Elektroautos und industrielle Prozesse können Strom dann aufnehmen oder nutzen, wenn er reichlich verfügbar ist. Studien zeigen erhebliche Einsparpotenziale durch solche Flexibilität. Die tatsächlichen Effekte hängen jedoch von den Rahmenbedingungen und der Umsetzung ab. Dafür braucht es schnellere Speicheranschlüsse, geeignete wirtschaftliche Anreize, dynamische Stromtarife und einen beschleunigten Smart-Meter-Rollout.
Flexibilität ersetzt weder den notwendigen Netzausbau noch ausreichende gesicherte Leistung. Sie ergänzt beides und kann helfen, Abregelungen erneuerbarer Energien und kostspielige Netzengpässe zu verringern. Gleichzeitig stärkt eine zuverlässige und wettbewerbsfähige Stromversorgung den Industriestandort Niedersachsen.
So können Speicher, Netze und flexible Nachfrage besser zusammenwirken, Systemkosten sinken und die Menschen sowie Unternehmen im Land stärker von der Energiewende profitieren.