| Veranstaltung: | LDK Hameln-2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 9. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | Pippa Schneider (KV Göttingen) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 25.10.2026, 12:41 |
wA10: Mental Health Matters! – Psychische Gesundheit von Studierenden an den Hochschulen stärken
Antragstext
Einsamkeit ist unter Studierenden ein zunehmendes Problem, das sich seit der
Corona-Pandemie verstärkt hat. Eine Befragung der TU Braunschweig[1] zeigt, dass
sich 34 Prozent der Studierenden einsam und fast 55 Prozent an der Universität
anonym fühlen. Ursachen sind unter anderem Schwierigkeiten beim Knüpfen sozialer
Kontakte, unrealistische Erwartungen durch soziale Medien und fehlende
Begegnungsmöglichkeiten im Hochschulalltag.
Die psychischen Belastungen unter Studierenden nehmen seit Jahren zu. Der
Bericht "Studieren mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung (best3)" des
Deutschen Studierendenwerks und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und
Wissenschaftsforschung spricht 2023 von einem besonders deutlichen Anstieg von
Studierenden mit psychischen Erkrankungen: Von 2016 bis 2021 ist der Anteil um
12 Prozentpunkte gewachsen, von 53 Prozent auf 65 Prozent. Und damit 20
Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2011[2]. Auch der Forschungsverbund des
Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit weist Anfang 2026 auf die
steigenden psychischen Belastungen unter Studierenden hin[3].
Zu beobachten ist, dass der Beratungsbedarf von internationalen Studierenden
steigt, die häufig vor komplexen Herausforderungen mit hohem Beratungsbedarf
stehen. Auch bei den deutschen Studierenden sind schwierigere und komplexere
psychische und soziale Problemlagen zu beobachten.
Sowohl die Zahl der Ratsuchenden als auch die Zahl der Beratungskontakte hat
sich 2024 im Vergleich zu 2020 in allen Studierendenwerken erhöht, zum Teil
deutlich und trotz des Rückgangs der Zahl der Studierenden. Dabei sagen die
Zahlen insgesamt eher etwas über die Kapazitätsgrenzen der Beratungsstellen aus
als über den tatsächlichen Beratungsbedarf. In einigen Beratungsstellen wurden
die Wartelisten vorübergehend "gesperrt" und Studierende abgewiesen, in anderen
haben sich die Wartelisten trotz Kapazitätsaufstockungen verlängert.
Beispielhaft seien hier die Zahlen für das Studierendenwerk OstNiedersachsen
(Braunschweig, Buxtehude, Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Holzminden,
Lüneburg, Salzgitter, Suderburg, Wolfenbüttel und Wolfsburg) genannt: Im
Vergleich von 2024 zu 2020 hat sich die Nachfrage trotz des deutlichen Rückgangs
der Studierendenzahl signifikant erhöht. Die Zahl der Ratsuchenden pro Jahr ist
von 1.775 auf 2.184 angestiegen (+23%), die Zahl der Beratungskontakte über 45
Minuten von 5.419 auf 6.109 (+12,7%) und die Zahl der Beratungen unter 45
Minuten von 594 auf 1.877 (+216%). Trotz einer Erhöhung der Stellen, hat sich
hier die Warteliste zum Jahresende erhöht, von 111 Wartende auf 173 (+55,9%).
Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin hat sich von 4 auf 8 Wochen
verdoppelt[4].
Eine Weitervermittlung in Psychotherapie ist an allen Standorten schwierig.
Gerade für die Zielgruppe der 19-23-jährigen besteht hier eine sehr schlechte
Versorgung. Für internationale Studierende ist eine Weitervermittlung in eine
psychiatrische Praxis noch schwieriger.
Diese Zahlen zeigen: der Bedarf an Beratungsstellen ist enorm hoch und nicht
erst seit der Pandemie sind die vorhandenen Beratungsstellen derart überlaufen,
dass viele Studierende nicht mal mehr auf die Warteliste aufgenommen werden
können. Es braucht niedrigschwellige Beratung, an die sich Studierende einfach
wenden können - dringender denn je. Hier kann erste Orientierung und
Unterstützung angeboten werden und bei komplexeren Sachverhalten auch weiter
vermittelt werden. Diese Beratungsstellen brauchen jedoch ausreichende
Kapazitäten und müssen entsprechend finanziert werden.
Auch die Landesstudierendenvertretung, die LAK, macht immer wieder auf den
Missstand aufmerksam und fordert zum Beispiel in ihrer landesweiten Petition[5]
einen Ausbau der psychosozialen Beratungskapazitäten.
Das Thema mentale Gesundheit betrifft im Übrigen nicht nur Studierende, sondern
auch bei Mitarbeitenden an den Hochschulen sind psychische Belastungen oft hoch.
Im Haushaltsjahr 2022/23 ist es mit dem Nachtragshaushalt der Rot-Grünen
Landesregierung gelungen, ein Sonderposten aus dem Härtefallfond in Höhe von 30
Millionen Euro an die Studierendenwerke zu zahlen und damit wichtige Themen
anzugehen. Trotz Energiekrise konnten die Mieten in den Wohnheimen in diesem
Jahr stabil gehalten werden, die Öffnungszeiten der Mensen erhalten werden und
auch die psychosozialen Beratungsstellen wurden mit einem finanziellen Aufwuchs
unterstützt, sodass an vielen Stellen mehr Personal eingestellt werden konnte,
um mehr Beratungsleistungen anbieten zu können. Diese zusätzlichen einmaligen
Mittel sind inzwischen aber aufgebraucht und die Bedarfe weiterhin vorhanden.
Um diese Bedarfe anzugehen und auch um an den Hochschulen generell ein Umfeld zu
schaffen, dass Studierende resilient macht und präventiv mentale Gesundheit
unterstützt, braucht es Nachbesserungen an einigen Stellen. Der Landesverband
von Bündnis 90/Die Grünen Niedersachsen setzt sich daher für folgende
Forderungen ein:
Eine stärkere Sichtbarkeit für das Thema psychische Gesundheit an
Hochschulen und auch der Beratungsstellen, die Unterstützung leisten
Einen deutlichen Ausbau der finanziellen Unterstützung von
niedrigschwelligen Beratungsstellen der Studierendenwerke beziehungsweise
der Hochschulen
Die Einrichtung von Mental Aid Ersthelfer*innen an den Hochschulen,
ähnlich wie diese bereits an den niedersächsischen Schulen eingeführt
wurden. Diese Ersthelfer*innen sollen Warnzeichen und Symptome frühzeitig
erkennen können, im Notfall Akuthilfe leisten und Betroffene unterstützen
sich an Beratungsstellen zu wenden und professioneller Hilfe zu bekommen.
Außerdem kann dadurch die Sichtbarkeit für das Thema mentale Gesundheit
ausgebaut und die Stigmatisierung und Vorurteile gegenüber psychischen
Erkrankungen abgebaut werden.
Die Aufnahme von psychischer Gesundheit in die Konzepte zum
Gesundheitsmanagement an den Hochschulen
Eine Zusammenstellung von Tipps und Handlungsempfehlungen, sowie
Anlaufstellen zum Thema mentale Gesundheit an den Hochschulen
Einen besseren Austausch von Hochschulleitungen und Landespolitik zum
Thema mentale Gesundheit und insbesondere zur Stärkung der psychischen
Resilienz von Studierenden. Gerade hier sind präventive Ansätze sinnvoll
und stärker zu verfolgen. Dies kann unter anderem die Themen
Prüfungsbedingungen (z.B. Freiversuche), generell Leistungsdruck und den
Umgang damit, sowie die finanzielle Belastung von Studierenden beinhalten.
Die Einrichtung und den Erhalt von Aufenthalts- und Austauschräumen an
Hochschulen, gegen Einsamkeit und als Möglichkeit zur sozialen Vernetzung
Die Einführung eines Mediatorenprogramms in Studierendenwohnheimen, um
dort entstehende Konflikte besser miteinander lösen zu können
Quellen
[4] Daten laut Angabe des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur
Unterstützer*innen
- Stephan Ferenz (KV Hannover)
- Kerstin Sennekamp (KV Göttingen)
- Sascha Völkening (KV Göttingen)
- Jannik Scherer (KV Göttingen)
- Manuela Selle (KV Göttingen)
- Tamina Jacqueline Reinecke (KV Helmstedt)
- Christel Winkelbach (KV Göttingen)
- Ruben Dunkel (KV Braunschweig)
- Tanja Meyer (KV Vechta)
- Volker Bajus (KV Osnabrück-Stadt)
- Eva Viehoff (KV Cuxhaven)
- Susanne Stobbe (KV Göttingen)
- Lino Klevesath (KV Göttingen)
- Anton Hensky (KV Braunschweig)
- Daniel Isberner (KV Göttingen)
- Elisabeth Klemens (KV Göttingen)
- Hans Peter Vögele (KV Göttingen)
- Corinna Maria Dartenne (KV Lüneburg)
- Julian Klinner (KV Braunschweig)
- Karsten Beinhorn (KV Göttingen)
- Heiko Garrelts (KV Göttingen)
- Justin-Noel Stöhr (KV Göttingen)
- Lucas Millbrodt (KV Hannover)
- Janna Voigt (KV Emden)