| Veranstaltung: | LDK Hameln-2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 9. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | LAG Energie & Atom (dort beschlossen am: 22.10.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 23.10.2026, 15:32 |
wA7: Niedersachsen als europäischen Offshore-Energiehub stärken – für Energiesicherheit, Unabhängigkeit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung
Antragstext
Die Nordsee ist einer der zentralen europäischen Energieräume der Zukunft. Hohe
und verlässliche Windressourcen, eine geringe Wassertiefe sowie die Nähe zu
Häfen, Industrie- und Verbrauchszentren bieten hervorragende Voraussetzungen für
den Ausbau der Offshore-Windenergie.
Niedersachsen nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Mit seiner Nordseeküste,
seinen Häfen, seiner Industrie sowie seiner Bedeutung für Stromnetze,
Wasserstoffwirtschaft und maritime Wertschöpfung ist das Land ein zentraler
Baustein der europäischen Energiewende. Offshore-Windenergie stärkt
Versorgungssicherheit, verringert die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten
und schafft Chancen für klimaneutrale Industrie, gute Arbeitsplätze und
regionale Wertschöpfung.
Der Nordsee-Gipfel im Januar 2026 in Hamburg hat wichtige Impulse für den
gemeinsamen Ausbau gesetzt. Die beteiligten Staaten bekräftigten das Ziel, bis
2050 eine Offshore-Windenergieleistung von 300 Gigawatt zu erreichen. Bis zu 100
Gigawatt sollen durch gemeinsame grenzüberschreitende Projekte erschlossen
werden. Vereinbart wurden zudem eine bessere Abstimmung beim Ausbau von
Windparks, Netzen und Wasserstoffinfrastruktur, verlässlichere Bedingungen für
die europäische Offshore-Industrie sowie ein stärkerer Schutz kritischer
Energieinfrastruktur.
Die Nordsee muss als gemeinsamer europäischer Energieraum entwickelt werden.
Deutschland und Niedersachsen müssen hierfür eng mit den EU-
Nordseeanrainerstaaten sowie dem Vereinigten Königreich und Norwegen
zusammenarbeiten.
Vor diesem Hintergrund fordert die LDK die niedersächsische Landesregierung auf:
- Eine europäische Nordsee-Strategie voranzutreiben
Sich über den Bundesrat sowie gegenüber Bund und Europäischer Union für
eine abgestimmte Nordsee-Strategie und die Ziele des Hamburger-Gipfels
einzusetzen. Wir begrüßen den Antrag Niedersachsens und Schleswig-
Holsteins für einen forcierten Ausbau der Offshore-Windenergie. Der Ausbau
von Windenergie, Strom- und Wasserstoffinfrastruktur,
grenzüberschreitenden Netzen, Häfen, Lieferketten und
Industrieansiedlungen muss europäisch koordiniert werden. Niedersachsen
wird weiterhin seine Rolle als Küsten-, Hafen- und Industrieland aktiv
vertreten.
- Häfen, maritime Industrie und Fachkräfte zu stärken
Bereits angestoßene Aktivitäten der Landesregierung sind konsequent
fortzuführen und die Hafenstandorte entsprechend ihren jeweiligen Profilen
weiterzuentwickeln: Cuxhaven insbesondere für Produktion, Montage und
Logistik der On- und Offshore-Windenergie, Emden und Norddeich für
Versorgung, Service und Wartung von Offshore-Windparks sowie Wilhelmshaven
und weitere geeignete Standorte entsprechend ihren Potenzialen. Dafür
braucht es leistungsfähige Hafen- und Hinterlandanbindungen, Netze und
qualifizierte Fachkräfte. Bund, Land und EU müssen verlässlich investieren
und Förderinstrumente gezielt nutzen. Ziel ist, möglichst viel
Wertschöpfung in Niedersachsen und Europa sowie gute, tarifgebundene
Arbeitsplätze zu sichern.
- Ausbaupfade, Netze und europäische Verbundlösungen gemeinsam zu planen
Der geltende Ausbaupfad für Offshore-Windenergie muss umgesetzt und
langfristig abgesichert werden. Entscheidend ist nicht allein die Vergabe
von Flächen, sondern dass bezuschlagte Projekte tatsächlich gebaut werden.
Die Landesregierung soll sich deshalb für Ausschreibungsbedingungen
einsetzen, die realistische Investitionsbedingungen, verbindliche
Realisierungsmeilensteine und angemessene Sicherheiten gewährleisten.
Werden Zuschläge zurückgegeben oder Fristen nicht eingehalten, müssen
Flächen zügig neu vergeben werden. Netzengpässe oder kurzfristige
Strombedarfsprognosen dürfen nicht zur Absenkung, Streckung oder
regionalen Begrenzung der Ausbauziele führen. Grenzüberschreitende
Netzanbindungen sollen dort vorangetrieben werden, wo sie
Versorgungssicherheit, Netzintegration und Infrastrukturnutzung konkret
verbessern.
- Offshore-Strom für die klimaneutrale Transformation Niedersachsens nutzbar
zu machen
Energieintensive Industrien, insbesondere die Stahl- und Chemieindustrie
sowie die maritime Wirtschaft, benötigen langfristigen Zugang zu
erneuerbarem und bezahlbarem Strom. Direkte Elektrifizierung soll Vorrang
haben; grüner Wasserstoff ist dort einzusetzen, wo eine direkte
Stromnutzung technisch nicht möglich oder sinnvoll ist. Niedersachsen darf
nicht auf die Rolle eines Transitlands für erneuerbaren Strom reduziert
werden. Das Land muss an der gesamten Wertschöpfung teilhaben – von
Planung und Fertigung über Hafenlogistik und Netzanbindung bis zur Nutzung
in klimaneutraler Industrie und Wasserstoffwirtschaft.
- Verlässliche, wertschöpfungsorientierte und naturverträgliche
Rahmenbedingungen zu schaffen
Die Landesregierung soll sich weiterhin auf Bundes- und europäischer Ebene
für langfristig verlässliche und investitionssichere Rahmenbedingungen für
Offshore-Windenergie einsetzen. Die Vergabe von Offshore-Flächen darf
nicht allein auf kurzfristige Auktionserlöse ausgerichtet sein.
Entscheidend sind ebenso Realisierungsfähigkeit, Netzintegration,
europäische Lieferketten, regionale Wertschöpfung und
Naturverträglichkeit. Der Ausbau muss mit wirksamem Meeres- und
Naturschutz verbunden werden. Die Belange des Wattenmeers, der
Artenvielfalt, der Fischerei, der Schifffahrt und weiterer Nutzung der
Nordsee sind frühzeitig einzubeziehen. Etwaige Auswirkungen müssen
wissenschaftlich untersucht, vermieden und minimiert werden.
Begründung
Die Nordsee verbindet hohe Windenergiepotenziale, vergleichsweise flache Schelfgebiete und eine gute Nähe zu Industrie- und Verbrauchszentren. Damit ist sie einer der wichtigsten Standorte für erneuerbare Energie in Europa. Niedersachsen verfügt mit seinen Häfen, seiner Industrie und seiner energiewirtschaftlichen Infrastruktur über besondere Voraussetzungen, von diesem Ausbau zu profitieren.
Die Potenziale der Nordsee können jedoch nur durch europäische Zusammenarbeit vollständig genutzt werden. Energieversorgung, Stromnetze, Wasserstoffinfrastruktur, maritime Lieferketten und Meeresraumplanung enden nicht an nationalen Grenzen. Eine engere Zusammenarbeit mit den EU-Nordseeanrainerstaaten sowie dem Vereinigten Königreich und Norwegen stärkt die europäische Energiesouveränität, senkt fossile Importabhängigkeiten und erhöht die Resilienz des Energiesystems.
Es wäre daher falsch, den Ausbau der Windenergie einseitig an heute verfügbaren Netzkapazitäten oder kurzfristigen Bedarfsprognosen auszurichten. Davon wären gerade Niedersachsen als windstarkes Küstenland, seine Häfen und seine Industrie besonders betroffen. Netzengpässe sind kein Grund, den Ausbau erneuerbarer Energien zu bremsen, sondern ein Auftrag, Netze, Speicher, flexible Nachfrage, Elektrolyseure und europäische Verbundleitungen schneller auszubauen. Eine Streckung der Offshore-Ziele würde Investitionen in Häfen, Lieferketten, Fachkräfte und gute Arbeitsplätze gefährden.
Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten ist Offshore-Windenergie ein zentraler Baustein für Versorgungssicherheit und größere Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Der Blick auf das Vereinigte Königreich zeigt, dass langfristig verlässliche Rahmenbedingungen den Offshore-Ausbau unterstützen können. Dort haben Differenzverträge (Contracts for Difference) Investitionen planbarer gemacht. Daraus folgt keine Festlegung auf ein bestimmtes Fördermodell. Entscheidend sind verlässliche Bedingungen, die Investitionen ermöglichen, Risiken angemessen verteilen und den gesellschaftlichen Nutzen des Offshore-Ausbaus sichern.
Niedersachsen hat die Chance, ein starker Offshore-Standort im europäischen Nordseeraum zu werden – für erneuerbare Energie, klimaneutrale Industrie, leistungsfähige Häfen und gute Arbeit. Diese Chance muss das Land aktiv gestalten.