| Veranstaltung: | LDK Hameln-2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 9. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand GRÜNE JUGEND Niedersachsen (dort beschlossen am: 21.10.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 25.10.2026, 21:12 |
wA14: Kein Abschluss ohne Anschluss: Ausbildungsplatzgarantie für Niedersachsen
Antragstext
Die Landesdelegiertenkonferenz möge beschließen:
Jeden Spätsommer wiederholt sich in Niedersachsen dasselbe Bild. Junge Menschen
haben Bewerbungen geschrieben, Praktika gemacht und Absagen gesammelt, und im
August stehen trotzdem mehr als zehntausend von ihnen ohne Ausbildungsplatz da.
Zur gleichen Zeit melden Betriebe in anderen Landkreisen offene Stellen, die
niemand besetzt. Mit fehlender Motivation hat das wenig zu tun. Der
niedersächsische Ausbildungsmarkt bietet seit Jahren schlicht zu wenige Plätze,
und er verteilt die vorhandenen ungleich: nach Wohnort, nach Schulabschluss und
nach Staatsangehörigkeit.
Unser Ziel ist ein verbindlicher Zugang zu einer vollqualifizierenden
Berufsausbildung für alle jungen Menschen. Dabei wollen wir Erfahrungen aus der
Einführung eines Ausbildungsunterstützungsfonds in Bremen auswerten und auf ein
geeignetes Modell für Niedersachsen hinarbeiten.
Die Landesdelegiertenkonferenz fordert deshalb die grüne Landtagsfraktion und
die grünen Mitglieder der Landesregierung auf, sich für folgende Punkte
einzusetzen:
- Die Garantie gesetzlich verankern. Niedersachsen soll ein Landesgesetz
schaffen, das allen jungen Menschen bis 27 Jahre mit Wohnsitz in
Niedersachsen, die bis zum 30. September keinen betrieblichen
Ausbildungsplatz gefunden haben, einen Rechtsanspruch auf einen
vollqualifizierenden Ausbildungsplatz gibt. Gemeint ist eine echte
Berufsausbildung mit anerkanntem Abschluss, vorrangig kooperativ mit
Betrieben, ergänzend über- oder außerbetrieblich. Das erste
Ausbildungsjahr muss vollständig angerechnet werden, und ein Wechsel in
eine betriebliche Ausbildung soll jederzeit möglich bleiben und aktiv
unterstützt werden. Der Vorrang der betrieblichen Ausbildung bleibt
bestehen. Die Garantie ist das Netz darunter, nicht der Ersatz dafür.
- Einen Landesausbildungsfonds einrichten. Die Kosten der Ausbildung tragen
heute vor allem die Betriebe, die ausbilden. Wer nicht ausbildet,
profitiert trotzdem von den Fachkräften, die andere qualifiziert haben.
Nach dem Vorbild Bremens soll Niedersachsen einen Ausbildungsfonds
einrichten, in den Arbeitgeber*innen einen kleinen Anteil ihrer
Bruttolohnsumme einzahlen, sofern sie nicht bereits einen
branchenspezifischen Fonds finanzieren. Ausbildende Betriebe erhalten pro
Ausbildungsplatz einen Ausgleich zurück. Kleinbetriebe werden zum Beispiel
über einen Freibetrag entlastet. Aus dem Fonds werden die Garantieplätze
finanziert, außerdem Verbundausbildung, Ausbildungsbegleitung und
Maßnahmen gegen Ausbildungsabbrüche.
- Warteschleifen durch Anschlüsse ersetzen. Rund 30 Prozent der Neuzugänge
in das berufliche Bildungssystem landen in Niedersachsen im
Übergangsbereich. Bildungsgänge, die keinen Abschluss und keine Anrechnung
bringen, sollen schrittweise zurückgebaut und die frei werdenden
Ressourcen an den berufsbildenden Schulen in die Garantieausbildung
umgelenkt werden. Wer im Übergangsbereich ist, soll das aus einem
pädagogischen Grund sein und nicht deshalb, weil kein Platz da war.
- Jugendberufsagenturen stärken und niemanden verlieren.
Jugendberufsagenturen sollen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten
verbindlich und ausreichend ausgestattet werden. Ziel ist eine
frühzeitige, niedrigschwellige und bei Bedarf aufsuchende Beratung sowie
eine Begleitung bis in die Ausbildung. Dazu gehört eine
datenschutzkonforme Übergangsbegleitung zwischen Schule, Arbeitsagentur
und Jugendhilfe.
- Ausbildung dort möglich machen, wo junge Menschen leben. Das Land soll
Azubiwohnen an zentralen Berufsschul- und Ausbildungsstandorten weiter
fördern und dafür sorgen, dass Berufsschulen auch im ländlichen Raum mit
dem ÖPNV erreichbar sind. Ausbildungsmobilität darf keine Frage des
Geldbeutels der Eltern sein.
- Benachteiligung aktiv abbauen. Junge Menschen ohne deutsche
Staatsangehörigkeit und junge Menschen ohne oder mit niedrigem
Schulabschluss haben in Niedersachsen deutlich schlechtere Chancen auf
einen Ausbildungsplatz und einen erfolgreichen Abschluss. Die
Garantieausbildung soll deshalb mit sozialpädagogischer Begleitung,
Sprachförderung und assistierter Ausbildung verbunden werden. Bestehende
Angebote sollen weiterentwickelt und Beratung und Bewerbungsverfahren
diskriminierungskritisch und diversitätsfördernd ausgestaltet werden. Das
Land und seine Beteiligungen gehen als Arbeitgeber mit einem
diskriminierungskritischen Auswahlverfahren voran und führen anonymisierte
Bewerbungsverfahren ein.
- Die Bundesgarantie nachbessern. Niedersachsen soll eine
Bundesratsinitiative einbringen, mit der der seit 2024 geltende Anspruch
auf eine außerbetriebliche Ausbildung nach § 76 SGB III von der
Beschränkung auf als unterversorgt eingestufte Regionen gelöst wird.
Begründung
erfolgt mündlich